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Rund um den Grimnitzsee | Radwandern in der östlichen Schorfheide | Steinschläger-Wanderweg

Rund um den Grimnitzsee

Ausgangspunkt unserer Autoreise ist Althüttendorf, welches unmittelbar hinter der Autobahnabfahrt Joachimsthal liegt. Von 1850 bis 1965 war Althüttendorf das Zentrum der Feldsteingewinnung und -verarbeitung. Es war das Dorf der Steinschläger, an die heute ein "gehauener" Brunnen in der Dorfstraße erinnert. Zeugen dieser Vergangenheit sind weiterhin am Bahnhof die Reste des Schotterwerkes der Firma Baumann, des größten Steinverarbeitungs- und Straßenbaubetriebes der Region.
Weiter geht die Fahrt nach Joachimsthal. Am Ortseingang liegt das Feriendorf Grimnitzsee, ein seit Jahrzehnten sehr beliebter Urlaubsplatz. Unmittelbar danach biegt rechts ein Fahrweg ein, der nach Alt-Grimnitz, einem Ortsteil von Joachimsthal, führt. Neben historischen Häusern und einem Gedenkstein für Oberforstmeister von Hausendorff, langjähriger Leiter des Forstamtes Grimnitz und Dozent an der Forstlichen Hochschule in Eberswalde, ist vor allem die Ruine der Burg, von Interesse.

Erläuterungstafel zur Burg Grimnitz / W. Ebert

Mitte des 13. Jahrhunderts von den Askaniern errichtet, diente sie den Markgrafen ebenso wie den brandenburgischen Kurfürsten als beliebter Aufenthaltsort und Ausgangspunkt für Jagden in der Großen Heide. 1571/72 zu einem kurfürstlichen Schloss umgebaut, setzte dann ab 1730 dessen Verfall ein und ab 1760 wurde die Ruine als Steinbruch für Wohn- und Straßenbauten genutzt. Im Jahre 2000 gründete sich in Joachimsthal der "Förderverein Grimnitzer Glashütten e. V.". Drei Jahre später konnte der Verein die Burgruine erwerben und mit Erhaltungs- und Gestaltungsarbeiten beginnen.
Wer Interesse und Zeit hat, kann sich nun die Stadt Joachimsthal anschauen, es lohnt sich auf alle Fälle.
Unsere Route führt uns aus der Stadt heraus in Richtung Friedrichswalde. Kurz hinter den Bahnschienen verlassen wir aber die Hauptstraße und fahren an einer sehr schön gestalteten Senioren-Residenz vorbei und geradeaus weiter nach Parlow, das wir nach wenigen Kilometern erreichen. Der Ort ging aus dem Erbzinsgut Schmelze und dem Gut Mellin hervor. 1883 erhielt der Ort den Namen des Gutsbesitzers Parlow und den Status eines Rittergutes. Von der Gutsanlage, die Anfang des 19. Jahrhunderts erbaut wurde, zeugen heute noch einige Wirtschaftsgesbäude. Das Schloss wurde 1945/46 abgerissen.
Der backsteinerne Getreidespeicher der ehemaligen Gutshofanlage wird gegenwärtig vom Förderverein "Kranichdorf Parlow e. V." zu einer Informations- und Begegnungsstätte ausgebaut.
Von Parlow aus hat man die Möglichkeit, zwei sehr schöne, ca. 3,5 km lange Wanderungen zu unternehmen. Der Prüßnick-Rundweg führt durch eine erlebnisreiche Landschaft und Natur zum Großen und Kleinen Prüßnicksee. Die zweite Wanderung ist der Melliner Rundweg. Einen Flyer mit Wegführung und Beschreibung erhalten Sie im Speicher oder in der dahinter liegenden Gaststätte.

Gedenkstein für Franz Neumann in Mellin / W. Ebert

An der Straße von Parlow nach Glambeck, unweit des Ortsausganges von Parlow, sieht man in einem abgegrenzten kleinen Areal ein Eisenkreuz und einen Gedenkstein. Das Eisenkreuz erinnert an das "verschwundene Dorf" Mellin, dessen Einwohner 1860 nach Amerika auswanderten und der Gedenkstein, ein bearbeiteter Findling, an Franz Neumann, einen Sohn des Dorfes Mellin und Begründer der Theoretischen Physik.

Glambecker Kirche nach der Restaurierung / W. Ebert

Weiter geht es nach Glambeck, einem Ortsteil von Parlow. Es ist ein ungewöhnlicher Ort mit ungewöhnlichen Menschen. Die meisten der wenigen Einwohner dieses Walddörfchens haben sich im "Verein Denkmale Glambeck e. V." zusammengeschlossen und sehr aktiv an der Um- und Ausgestaltung ihres Dorfes gearbeitet. Die kulturelle und touristische Wirksamkeit des kleinen Ortes ist unvorstellbar.
Die 1708 geweihte und heute unter Denkmalschutz stehende kleine rechteckige Fachwerkkirche verdankt, nach drohendem Verfall, ihre Restaurierung und damit ihr Wiederbeleben dem zur Rettung der Kirche gegründeten Verein in Glambeck. Die Einweihung fand nach zweijähriger Bauzeit am 02.01.2000 statt und seitdem wird sie sakral, kulturell und touristisch genutzt. So kann man hier die "Glambecker Konzerte" und viele Ausstellungen vor allem einheimischer Künstler erleben.
Mit einem Rundweg / Kulturlandschaftspfad werden Besuchern die kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten und naturräumlichen Besonderheiten des Ortes näher gebracht. Auf dem knapp einstündigen Rundweg lebt die Geschichte des Ortes und der Region auf. Eine einmalig schöne Landschaft zwischen Schlosspark und kleiner Fachwerkkirche am Welsetal, zwischen Taubenturm und Glambecker See wird damit erschlossen.
Auch von Glambeck aus bieten sich unterschiedlich lange Wanderungen an. Empfehlenswert ist eine zur unweit gelegenen Glambecker Mühle, heute eine Tierpflegestation des Biosphärenreservates.

Am Dovinsee / W .Ebert

Eine schöne Alleenstraße und interessante Wälder begleiten uns zurück in Richtung Joachimsthal. Nach ca. 3 Kilometern erreichen wir den Dovinsee, ein kleines Gewässer im Rückland des Grimnitzsee-Beckens. Gespeist wird er von einem Zufluss aus dem Grimnitzsee.

Hier beginnt die Welse, ein Flüsschen, welches über den Glambecker und den Wolletzsee fließend nördlich von Schwedt in die Oder mündet. Am See befindet sich ein kleiner Parkplatz. Von hier aus kann man einige hundert Meter an der Ostseite des Sees entlang wandern und die Ruhe genießen. Man wird hier von Bibern angenagte Bäume und mit etwas Glück auch eine Biberburg sehen.

Gleich dahinter liegt die Försterei Bärendikte, ursprünglich als Zaunsetzerstelle zur Sicherung des Großen Wildzaunes gegründet. Das Gebiet war jagdlich recht bedeutsam, darauf deutet nicht zuletzt der Name hin.
Um zur Nordseite des Grimnitzsees zu gelangen, fährt man kurz nach der Försterei im spitzen Winkel links von der Straße ab zum Leistenhaus. Ein Einzelgehöft an der Nordspitze des Grimnitzsees erhielt 1824 die amtliche Bezeichnung "Leistenhaus" nach einem Bauern Leist aus dem Dorfe Grimnitz. Dieser hatte hier 1819 ein Wohnhaus für einen Untergebenen errichtet, der ihm das Wild und das Joachimsthaler Weidevieh von seinem Ackerland vertreiben musste. Heute befindet sich hier neben Privathäusern eine Ferienanlage mit öffentlicher Gaststätte in landschaftlich sehr schöner Lage, direkt am Grimnitzsee.
Den gleichen Weg zurück kommt man wieder zur Straße, die nach Joachimsthal führt. Wer noch Zeit und Lust hat, kann noch das einst größte Holzschuhmacherdorf Deutschlands, Friedrichswalde, besuchen. Er wird den Besuch nicht bereuen!

Joachimsthaler Kreuzkirche / W. Ebert

Radwandern in der östlichen Schorfheide

Ausgangspunkt unserer Radwanderung ist Joachimsthal. Das Städtchen ist gut zu erreichen mit der Bahn Berlin - Eberswalde - Templin oder mit dem Auto über die Autobahn Berlin-Stettin, Abfahrt Britz oder Joachimsthal.

Wir starten unsere Wanderung an der Joachimsthaler Schinkel-Kirche, die sich im Zentrum der Stadt befindet. Die kleine Ackerbürgerstadt wurde 1604 vom damaligen brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Joachim gegründet. Da sich die Lage des Stadtkerns in einer Senke am Fuße des Joachimsthaler Endmoränenbogens befindet, setzte sich der Name der Stadt aus dem Gründer und der geographischen Lage zusammen.

Die gotische Kreuzkirche entstand in der Zeit von 1817-1820 nach einem Entwurf des Baumeisters Karl Friedrich Schinkel, nachdem die ehemalige barocke Kirche mehrmals gebrannt hatte und dann 1814 durch ein Großfeuer völlig vernichtet wurde.
Das Areal des Joachimsplatzes mit seinen Gebäuden und Flächen bis hin zum heutigen Friedhof beherbergte einst das Joachimsthalsche Gymnasium. Diese Einrichtung einer höheren Schule entstand 1607, also 3 Jahre nach Stadtgründung, und sollte einheimische Bürger- und Adelssöhne auf das Studium als Pfarrer und Juristen vorbereiten.

Wasserstielpumpe / W. Ebert

Wir fahren die Mühlenstraße bergaufwärts bis zur ersten Kreuzung. Hier biegen wir rechts in die Schönebecker Straße ein. Beide Straßen gehören zu den ältesten Straßenzügen von Joachimsthal. Nach wenigen Metern kommen wir vorbei am ehemaligen Sitz der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr, deren Gründung 1884 erfolgte. Für die Brandbekämpfung diente damals das Wasser des Schulseegrabens, der mitten durch die Stadt floss. 18 Wasserpumpen sind zum gleichen Zweck an verschiedenen Stellen der Stadt erbaut worden. Zwei derselben sind heute noch erhalten und stehen unter Denkmalschutz.

An der nächsten Straßengabelung, etwa in Höhe des Hotels Wenzelhof, halten wir uns links und bleiben so auf der Schönebecker Straße. Die kleine Anhöhe auf der linken Seite ist der Talgberg, die einstige Joachimsthaler Hinrichtungsstätte.
Die Kopfsteinpflasterstaße führt uns nun aus der Stadt in die Schorfheide. Ungefähr 2 km fahren wir auf dem Schönebecker Damm bis zum "Höveleck". Dies ist eine Waldwegekreuzung von Carinhaller Chaussee, Kalkbrennerweg und Schönebecker Damm. Ein behauener Feldstein erinnert an den berühmten Forstmeister Balduin von Hövel, Oberförster von Grimnitz von 1879-1919, der sich um die Jagdkultur sowie um die Hege und Pflege von Wald und Wild in der Schorfheide verdient gemacht hat.

Hövelstein / W. Ebert

Am Höveleck hat der Wanderer die Möglichkeit, auf rustikalen Bänken zu rasten und die Heide zu genießen.
Wir biegen nun links vom Schönebecker Damm ab und fahren auf dem teilweise asphaltierten Kopfsteinpflasterweg mit Wandermarkierung (gelber Querbalken) weiter. Links führt die Wanderung an einem jungen Eichenwald vorbei, der zur Mörderbergschen Eichheide gehört, rechts sind Feuchtwiesen, die Michenwiesen, an denen sich der Michenbach leise entlangschlängelt. Nach wenigen Metern wird unsere Aufmerksamkeit auf eine mächtige Buche mit ca. 4 m Stammumfang gelenkt, die rechts am Michenbach steht. Die Michenwiese nimmt eine Senke im Wolfsgarten ein. Dies ist ein Waldteil zwischen der engeren Schorfheide, der großen Kienheide, den Mörderbergen und dem Werbellinsee. Hier wurden im 18. Jahrhundert die Wölfe in einen gegatterten Platz, den Wolfsgarten, gelockt und dann getötet.

Nach ca. 7 km Fahrt durch die Schorfheide haben wir den Werbellinsee erreicht. Hier steht unweit der B 198 eine mächtige Stieleiche. Der an den Michenwiesen leise fließende Michenbach wird hier zum rauschenden, plätschernden Gewässer, welches danach in den Werbellinsee mündet. In der Nähe der Einmündung befand sich im 13. oder 14. Jahrhundert eine mittelalterliche Siedlung.
Auf der anderen Seite vom Michenbach führt ein Waldweg zur idyllisch gelegenen Försterei Michen.
Die heute als eine sehr beliebte Badewiese genutzte Fläche am Werbellinsee heißt "Ablage". Hier wurden die mit der Waldbahn angefahrenen Holzstämme der Schorfheide zwischengelagert, bevor sie als Flöße über den Werbellinsee weiter transportiert wurden.

Werbellinsee - Badewiese "Ablage" / W. Ebert

Um wieder nach Joachimsthal zu kommen, fahren wir ein Stück unseres Weges zurück und folgen dann rechts der grünen Markierung über die Mörderberge. Die Herkunft des Namens "Mörderberge" ist nicht eindeutig geklärt. Entweder lässt er sich von Bergen, wo ein Mord geschah, ableiten oder er ging aus der Bezeichnung "Mörtelberge" (Mörtel zu brandenburgisch = kleiner Teich, kleines Wasserloch) hervor.
An der nächsten Wegegabelung empfiehlt es sich, links zu halten und auf direktem Weg zum Ausgangspunkt zurückzukehren.

Die Gesamtstrecke beträgt 14 km, die Fahrzeit etwa 2 Stunden.

Die beschriebene Wanderroute weicht teilweise von den offiziellen Wanderwegen ab. Die Benutzung nicht bestätigter Wanderwege erfolgt auf eigene Gefahr!

Auf den Spuren der Steinschläger, Glasbläser und Hugenotten
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Radwanderung im Ziethener Land -

Unsere Radwanderung beginnt am Bahnhof Althüttendorf, wo wir nach einer romantischen Bahnfahrt von Eberswalde - mit Unterquerung des Oder-Havel-Kanals - ankommen.
Der Name Althüttendorf stammt von der IV. Grimnitzer Glashütte, die 1655 hier erbaut wurde. Sie stellte Trinkgeschirr und Fensterglas her. Die schwedische Invasion 1674/75 führte zum Ruin der Hütte. Erst 1682 entstand die V. Glashütte am gleichen Ort. Sie arbeitete bis 1721 und musste dann wegen Überalterung abgerissen werden.
Ca. 100 m vom Bahnhof Althüttendorf entfernt, erblicken wir kurz vor der Kreuzung der Bahnhofstraße mit der B 198 (Joachimsthal-Angermünde) links die Villa Baumann und einen vor dem Gelände aufgestellten Granitfindling. Das Haus ließ der größte und bedeutendste Steingrubenbesitzer in unserer Gegend, Friedrich Baumann, 1912 errichten.
Der Granitfindling wurde erst in den 20er Jahren aufgestellt. Er hat eine Höhe von 5 m und wiegt ca. 33 t.
Entlang der Dorfstraße gelangen wir zur Kirche, einem rechteckigen Feldsteinbau (Zyklopenmauerwerk) mit verbrettertem Dachturm von 1810.
Hier sollte man unbedingt in die kleine Gasse links einbiegen und den auf einem Hügel liegenden Friedhof besuchen. Von da aus hat man einen herrlichen Blick über den Grimnitzsee, ein flacher Zungenbeckensee, der vielen und zum Teil seltenen Wasser- und Schilfvögeln als Rast- und Nistplatz dient. In der nordwestlichen Ecke des Friedhofs finden wir die Grabstelle der Familie Baumann.

Naturbeobachtungszentrum Althüttendorf / W. Ebert

Vor der Bockwindmühle aus dem Jahre 1829 wurde 2002/03 ein Naturbeobachtungszentrum mit Ausstellungen und Freianlagen aufgebaut. Ein Vogelbeobachtungsturm ermöglicht einen eindrucksvollen Blick auf den Grimnitzsee und auf die vielfältige Vogelwelt dieses Sees.
Nun geht es auf der wenig befahrenen, von alten Apfelbäumen, Linden, Holunder und Wildhecken begrenzten Straße nach Neugrimnitz. Wir überqueren die Autobahn Berlin-Stettin und erreichen den Ort Neugrimnitz. Hier baute der kurfürstliche Verwalter Gabriel Supe 1682 zwei km nordwestlich von Althüttendorf die VI. Grimnitzer Glashütte, die er zwei Jahre später als Pächter übernahm. Aus der Bausubstanz des Gutes ist heute noch die vollständig aus Feldsteinen errichtete Gärtnerei erhalten. Das eingeschossige, vierachsige Doppelstubenhaus steht links am Dorfeingang. Auch die Eingangsportale sowie das kubische Feldsteingebäude sind noch erhalten. Das Haus ist als ein Glasbläsermuseum eingerichtet. Im Hof steht ein Modell eines Waldglasofens.

An der Straßengabelung des Ortes biegen wir rechts in den ca. 4 km langen, befestigten Feldweg Richtung Groß Ziethen ein.
Nach etwa 800 m Fahrt, im Gelände kaum sichtbar, fahren wir über die Endmoräne, die durch jahrzehntelangen Steinabbau ihre ursprüngliche Form verloren hat. Hier legen wir einen Zwischenstopp ein und können die rechts liegenden Ihlowberge besichtigen. Im Steinbruchgebiet wurden die Blockpackungen bis Mitte der 60er Jahre ausgebeutet. Die terrassenförmigen Abbaustufen der ehemaligen Gruben sind noch deutlich zu erkennen. Ein kleiner Feldweg, links abgehend, führt an ehemaligen Gruben vorbei auf die eigentliche Endmoräne. Von diesem Standort aus gewinnt man einen deutlichen Eindruck vom Verlauf der Eisrandlage, die auch hier keine übermäßige Höhe erreichte.

Ehemalige Steingrube Sperlingsherberge / W. Ebert

An der linken Seite des Feldweges können wir bereits die Hausdächer von Sperlingsherberge erblicken. In Sperlingsherberge ist in einem aufgelassenen ehemaligen Steinbruch, den die Gemeinden Althüttendorf und Ziethen erworben haben, der Abbau einer Blockpackung gut nachzuempfinden. Auch vom Weg aus sichtbar, treten aus den steilen Abbauwänden die Geschiebeblöcke deutlich hervor. Zahlreiche Gesteinshaufen in dem ehemaligen Abbaugelände kennzeichnen die Arbeitsplätze der Steinschläger.
Nur 500 m weiter in Richtung Groß Ziethen sehen wir rechts vom Feldweg die Kiesgrube der Fa. Haniel. Die aus der Endmoräne vom Schmelzwasser ausgewaschenen Kiese und Sande wurden in einer davor liegenden Vertiefung abgelagert. Diese Ablagerungen werden Sander genannt. Der Steilhang der Kiesgrube, die nur mit Genehmigung des Besitzers betreten werden darf, gestattet einen guten Einblick in die unterschiedlichen Schichten, die während des Abschmelzvorganges des Gletschers hier abgelagert wurden.

Kiesgrube Groß Ziethen / W. Ebert

Nach 1.5 km erreichen wir den Ortseingang von Groß Ziethen. Der Ort ist urkundlich seit 1275 bekannt. Der Name lässt sich von dem slawischen Wort sit = Binse ableiten.

Nach den Verwüstungen und Verlusten durch den 30jährigen Krieg überwies die Berliner Amtskammer 1686 eine Gruppe kalvinistischer Glaubensflüchtlinge (Hugenotten) aus Nordfrankreich hierher. Weitere französische Emigranten folgten 1689 aus der Pfalz. Groß Ziethen bildete gemeinsam mit Klein Ziethen eine geschlossene Kolonistengemeinde. Bis heute hat Groß Ziethen ein für Brandenburg einmaliges französisch-reformiertes Pfarramt. Französische Familiennamen, alte Bausubstanz (z.B. das 300 Jahre alte Fachwerkhaus, Dorfstraße 24), Legesteinmauern und Bauerngärten erinnern noch heute an diese geschichtliche Epoche.
Das Straßenangerdorf hat die Form der mittelalterlichen Ansiedlung bis in die Gegenwart bewahrt.

Französisch-reformierte Kirche Groß Ziethen - Innenraum / W. Ebert

Die Kirche, ein Feldsteinbau aus dem 13. Jahrhundert, besteht aus einem rechteckigem Schiff und eingezogenem, quadratischem Chor. Die hineingebrochenen, backsteingefassten Spitzbogenfenster und die Westvorhalle entstanden während der Restauration 1864. Über dem Westgiebel befindet sich ein quadratischer Dachturm von 1717.
Eine landschaftlich reizvolle Besonderheit ist das Ziethener Seebruch. Von hier stammt auch ein bedeutsamer Fund von 1929 (Kupfer- und Zinngegenstände aus dem 16./17. Jahrhundert), der im Heimatmuseum Angermünde ausgestellt ist.

Wir verlassen nun Groß Ziethen am südwestlichen Ortsausgang, überqueren die B 198, um auf einem 2,5 km langen Feldweg nach Senftenhütte zu fahren.
Der Ort verdankt seinen Namen dem Unternehmer Johann Georg Senff, der von 1718 - 1739 die im Jahre 1705 in der Chorinschen Heide errichtete Glashütte gepachtet hatte. Infolge seiner etappenweisen Entwicklung weist Senftenhütte eine unregelmäßige Dorfform auf. Sein ursprünglicher Dorfkern wurde an den Ortsrand gedrängt.
Die Kirche am Dorfplatz erhielt Senftenhütte im Jahre 1804. Dem kleinen Rechteckbau aus gespaltenen Feldsteinen wurde 1931 ein Turm angefügt. Eine Besonderheit dieser Kirche ist das Taufbecken in Form eines Tellers, welcher auf einer Glocke als Sockel steht. Die im Taufbecken dargestellte Taube geht auf den Einfluss der Hugenotten zurück, die sich Mitte des 18. Jahrhunderts in Senftenhütte ansiedelten.
In der Umgebung des Ortes hat der Senftenhütter Steingrubenbesitzer Karl Schönfeld Anfang des 20. Jahrhunderts 3 Steingruben betrieben. Zeugnisse dieser Tätigkeit sind an der ehemaligen Grube am Schlichtefeld noch jetzt zu erkennen. Auf dem gepflegten Friedhof des Dorfes liegt sein Grab unter einem von ihm selbst gemeißelten großen Grabstein.

Grabstein des Steingrubenbesitzers Schönfeld / W. Ebert

Wer nun nach Althüttendorf zurückfahren möchte, benutzt von Senftenhütte aus die Asphaltstraße in Richtung B 198 und biegt ca. 300 m vor Erreichen derselben nach links in einen Waldweg, der mit einer Schranke versehen ist, ein und fährt durch eine sehr schöne Waldlandschaft 200 m südlich des 2. und 3. Sassenpfuhls entlang und erreicht zwischen dem 3. Sassenpfuhl und dem Hungersee wieder die B 198. Der gut befahrbare Waldweg hat eine Länge von 2 km. Jetzt überqueren wir vorsichtig die B 198, um dann 25 m weiter westlich rechts in einen Feldweg einzubiegen, der uns nach 800 m wieder nach Althüttendorf führt.

Wer nicht nach Althüttendorf zurückfahren will, hat die Möglichkeit, seine Radwanderung in Richtung Chorin fortzusetzen.
Dazu verlassen wir Senftenhütte in südlicher Richtung und erreichen nach 1 km Fahrt auf einem gepflasterten Waldweg die Försterei Senftenthal. Dies ist ein hervorragender Rastplatz in freier Natur mit vielen informativen Schautafeln, einer Streuobstwiese, einer Wildhecke als Unterschlupf für Kleintiere und einer Insektenwand.

Revierförsterei Senftenthal / W. Ebert

Gegenüber der Försterei führt uns ein markierter Wanderweg nach ca. 850 m zur prachtvollen Kroneneiche. Die etwa 500 Jahre alte Traubeneiche (in Literaturquellen Altersangaben von 480-550 Jahre) hat einen säulenförmigen Schaft von 19,5 m Höhe. Mit der ansehnlichen Krone ist der Baum 31,5 m hoch.
Der Gedenkstein unter der Kroneneiche erinnert an die königlichen Wild- und Hegemeister Georg Jacob, Johann Ferdinand und Rudolf Weber. Johann Weber verhinderte, dass der Baum der Axt zum Opfer fiel. Seit 1991 begehen die Bürger von Chorin und Senftenhütte wieder das "Kroneneichenfest", das auf einen Brauch aus dem 19. Jahrhundert zurückgeht.

Nach einer Rast an der Kroneneiche setzen wir unsere Fahrt in südwestlicher Richtung fort und kommen nach ca. 400 m an den Stabhüttenbrüchen vorbei. Die Namensgebung stammt aus dem 18. Jahrhundert. Damals wurden die Bäume bereits vor dem Fällen verkauft. Nach dem Einschlag zerlegten die Waldarbeiter die Eichenstämme in transportable Stücke, Stäbe genannt. An den Sümpfen standen die Hütten der Arbeiter, die "Stabhütten". Später ging diese Bezeichnung auf die Sümpfe über.
Nach weiteren 1,1 km Fahrt biegen wir in die südlich verlaufende Waldstraße ein und sehen nach 400 m an der rechten Seite einen kargen Acker, der deshalb "Schlichtes Feld" getauft wurde. Hier halten wir an und gehen auf der gegenüberliegenden Straßenseite in den Wald. Nach wenigen Metern befinden wir uns in der ehemaligen Schönfeldschen Steingrube, die jetzt allerdings schon ziemlich stark bewachsen ist.

Von der Steingrube aus fahren wir in Richtung Chorin und erreichen nach 1,5 km den Bahnhof Chorin Dorf, ein unter Denkmalschutz stehender schöner Fachwerkbau. Von hier aus treten wir die Heimfahrt an.

Fahrstrecke:

  • Althüttendorf - Neugrimnitz - Groß Ziethen - Senftenhütte und zurück: 20 km
  • Althüttendorf - Neugrimnitz - Groß Ziethen - Senftenhütte - Senftenthal - Kroneneiche - Chorin: 26 km

© Märkische Eiszeitstraße, W. Ebert/K.Müller 2004

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25.10.2014

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